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Von Schützen und Krebsen

Ich bin von Sternzeichen Schütze. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich herausgefunden, dass mein Aszendent Krebs ist. Seitdem habe ich das Gefühl, ich kenne mich besser. Nicht, dass ich mir vorher fremd gewesen wäre. Ich kannte nur die Uhrzeit meiner Geburt nicht: 11:35 Uhr, es war Freitag und hat geregnet. Es regnet eigentlich immer im November. Ich bin freiheitsliebend, sagt man. Trotzdem bin ich noch nie wirklich ausgebrochen. Ich bin offen, sagen die einen. Und doch bleiben viele Gedanken oft unausgesprochen. Ich bin perfektionistisch, sagen die anderen. Einfach rastlos, entgegne ich dann.

I need a dramatic change in my life, sagt Woody Allen, alias Mikey, schon 1986 in "Hannah and her Sisters"

I need a dramatic change in my live, sagt auch Wody Allen, alias Mikey, im Film Hannah and her Sisters. Woody Allen ist ganz nebenbei auch Schütze und mittlerweile Ehemann seiner Adoptivtochter. Ich bin nicht Woody Allen, nicht Mikey, aber dieser Satz ist in meinem Kopf. Jetzt müsste man sich fragen, ob ein Jobwechsel dieses Jahr nicht Änderung genug ist. Ob sich festlegen, sesshaft werden oder eine Familie gründen wirklich die Lösungen sind. Und was daran denn falsch ist, den Moment zu leben und zu konsumieren.

Um mit einem weiteren Filmzitat zu antworten: Ich habe keine Zeit. Ich möchte einfach keine Zeit verschwenden, nicht leiden, nicht opfern und nur Kompromisse eingehen, mit denen ich wirklich dauerhaft umgehen kann. Ich bin egoistisch. Ich leide unter Tatendrang gepaart mit einer Prise Erschöpfung und einem Stück grundsätzlichen Pessimismus, der selten zu Enttäuschungen, aber meist zu glücklichen Wendungen führt. So kommt es, dass euphorische Pläne von der Letargie verfolgt werden und ich im Rennen um den heißen Preis der Befriedigung oftmals verspätet, aber letztlich doch ans Ziel komme. Und es ist Tatsache, dass die Realität auf dem Weg dorthin aus Routinen besteht, die zwar strukturell sehr wertvoll, aber perspektivisch betrachtet tötlich sein können. Im Alltag gefangen zu sein, bedeutet sein Leben unter Kontrolle zu haben, aber weniger Zeit für Ausschweifungen zur Verfügung zu haben. Ein Luxusproblem, mögen manche denken, aber dieser Luxus ist Selbstliebe, und diese ist der Motor des Glücks.

But, my dear, this is not wonderland and you're not Alice.

Wenn also Schützen, bewaffnete Menschen, die sich aktiv auf der Suche befinden, mit kleinen flinken Krebsen in Konflikt geraten, dann kämpft außen gegen innen, Freiheit und Selbstbestimmung gegen Heimigkeit und Bettdecke, Impulsität gegen emotionale Sicherheit. Träumerische Gedanken konkurieren mit der Realität des Nestbaus. Der Alltag wird demnach verwoben mit kleinen Eskapaden. Ich bin beides, manchmal der Jäger, manchmal ganz das Panzertier. Ich stecke mir Ziele, denen ich nachlaufe, aber manchmal atemlos und nur des Laufens wegen. Ich träume, aber bin doch fest in der Realität verankert. Ich bin also auch nicht Alice. Ich bin der Hase, der es immer eilig hat.

Don’t follow me.

Bildcredits: tumblr.com

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