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Picasso, Abramović und Jay Z

Picasso, der Jahrhundertkünstler, Erfinder der abstrakten Malerei, der Frauenverschlinger. Marina Abramović, die Performance Göttin, die immer wieder an ihre absoluten physischen und psychischen Grenzen geht. Jay Z, der Rapper, der eigentlich schon lange nicht mehr rappen wollte. Picasso, Abramović und Jay Z – was haben sie gemeinsam?

Picasso, der Jahrhundertkünstler, Erfinder der abstrakten Malerei, der Frauenverschlinger. Picasso, das Ausnahmetalent, das schon im Teenageralter an die Meisterschaft seiner Vorbilder anknüpfen konnte. Picasso, der Liebhaber, der junge Frauen um sich hortete, selbige beliebig wechselte, sie von sich abhängig machte, sie zerstörte. Picasso, der sich durch die Jahrzehnte des 20. Jahrhundert hindurch immer wieder neu erfand. Picasso, dessen Werke unbezahlbar sind. Picasso, dieses mysteriöse Genie, das unendlich geworden ist durch die Geschichten, die er hinterlassen hat.

Marina Abramović, die Performance Göttin, die immer wieder an ihre absoluten physischen und psychischen Grenzen geht. Abramović, eine der berühmtesten zeitgenössischen Künstlerinnen, deren Performance “The Artist is present” aus dem Jahr 2010 immer noch in aller Munde ist. Abramović, die ihre Liebe zu Ulay zu einem Teil ihres Werkes gemacht hat. Abramović, die auch alleine erfolgreich ist, immer radikaler wird. Abramović, die den Zuschauer zu einem Teil ihrer Performance macht. Abramović, deren neustes Projekt diese Woche in London begann, deren Projekte immer größer werden: aus 12 Tagen in einer New Yorker Galerie 2002 – die Aktion hieß “The House with the Ocean View” – wurden 2010 zweieinhalb Monate im New Yorker MoMA, jetzt folgen wieder “512 Hours” in der Serpentine Gallery in London. Abramović, die wohl einzige Künstlerin unserer Zeit, die Menschenmassen in ein leeres Museum locken kann.

Jay Z, der Rapper, der eigentlich schon lange nicht mehr rappen wollte. Jay Z, der Mann mit den 99 Problemen, zudem sich kürzlich das 100. in der Person Solange Knowles dazu gesellte. Jay Z, der eine steile Karriere und eine scharfe Frau hat, eine Frau, die selber so erfolgreich ist, dass sie zusammen nur noch attraktiver erscheinen, mit ihrer kleinen Familie, ihrem musikalischen Können und ihren vielen Millionen. Jay Z, der nicht freestylen aber produzieren kann, der weiß, was die Menschen hören wollen, für den Musik mehr ist als nur Unterhaltung. Jay Z, der Musiker, dem Musik machen allein nicht mehr genug war. Jay Z, der Rapper, der ins Museum ging.

Picasso, Abramović und Jay Z – was haben sie gemeinsam?

“Picasso, Baby” nannte Jay Z seinen Auftritt in der Pace Gallery in Chelsea im Juli 2013. Fans, Kunstbegeisterte und zahlreiche Stars kamen, auch Marina Abramović, deren Museumsaktion als Inspiration für Jay Z Performance diente. “Wir (Musiker) sind auch Künstler”, sagt er im dazugehörenden Video. Sechs Stunden lang performte er seinen Song “Picasso Baby”, im Kunsthaus, statt auf der Bühne, immer wieder den selben Song, in Endlosschleife sozusagen, sich einer neuen Art von Publikumsinteraktion aussetzend, seine darstellende Kunst in neue Sphären bringend. Abramovic war begeistert. Das Publikum auch. Was Picasso wohl dazu sagen würde?

Hier geht’s zur Dokumentation.

 

Beitragsbild: Kyle Petreycik/ANIMALNewYork

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